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Eigene Messung

Unser SEO-Audit meldete 922 Hinweise. Einer war echt

Wir haben die eigene Website von einem verbreiteten Audit-Werkzeug prüfen lassen: 6 Fehler, 72 Warnungen, 922 Hinweise. Dann haben wir jede Problemklasse am tatsächlich ausgelieferten Quelltext nachgemessen. Übrig blieb ein echter Fehler. Das ist kein Argument gegen solche Werkzeuge — aber eines dagegen, ihre Listen abzuarbeiten, ohne zu prüfen.

12. September 2026 · 8 Minuten Lesezeit

Eugen Neifer · Gründer, Conexa Digital

Ein Website-Audit ist ein beliebtes Verkaufsinstrument. Man lässt ein Werkzeug über eine fremde Seite laufen, exportiert das Ergebnis als PDF und schickt es mit dem Satz »wir haben da mal reingeschaut« an den Geschäftsführer. Auf Seite drei steht dann eine Zahl wie 1.131. Das wirkt.

Wir haben das mit unserer eigenen Seite gemacht und danach etwas getan, was selten passiert: nachgemessen. Nicht stichprobenartig, sondern für jede gemeldete Problemklasse, an genau den Adressen, die das Werkzeug selbst benannt hat, am Quelltext, der tatsächlich ausgeliefert wird.

Was gemeldet wurde und was übrig blieb

GemeldetAm ausgelieferten Quelltext gemessenUrteil
68 × fehlender Alternativtext bei Bildern0 Bilder ohne Attribut. 2 Bilder mit absichtlich leerem Attribut — die korrekte Auszeichnung für rein dekorative Bilder.Fehlalarm
53 × doppelte H1-ÜberschriftGenau eine H1 je Seite, auf allen geprüften Adressen.Fehlalarm
4 × interner Verweis ohne Ankertext132 Verweise auf der Startseite, davon 0 ohne Text und ohne Beschriftung für Screenreader.Fehlalarm
4 × fehlendes x-default bei den Sprachverweisenx-default vorhanden, auf allen vier Adressen.Fehlalarm
80 × durch noindex blockiertStimmt — und ist so gewollt. Wir hatten diese Seiten zwei Tage zuvor bewusst aus dem Index genommen.Kein Mangel
6 × doppelter SeitentitelStimmt. Die deutsche und die englische Fassung von drei Leistungsseiten trugen denselben Titel.Echt

Sechs Klassen, ein echter Befund. Damit die Rechnung aufgeht: Diese sechs Klassen umfassen zusammen 215 der 1.000 Meldungen — es sind die, die wir einzeln am ausgelieferten Quelltext nachgemessen haben, weil sie die größten waren. Die übrigen rund 780 verteilen sich auf Kleinteiliges: zu kurze Titel, eine zu lange Überschrift, zehn Beschreibungen an der Längengrenze. Das ist Kosmetik — real, aber ohne messbare Wirkung. Behoben sind sie trotzdem, weil es zehn Minuten dauert.

Warum Werkzeuge so oft danebenliegen

Die Ursachen sind langweilig und deshalb selten Thema. Es sind im Wesentlichen vier:

  • Der Crawler sieht eine andere Seite als der Besucher. Viele Werkzeuge werten den Quelltext aus, bevor JavaScript gelaufen ist. Was danach entsteht, fehlt in ihrer Rechnung.
  • Korrekte Auszeichnung wird als Fehler gezählt. Ein leeres alt-Attribut ist bei einem dekorativen Bild genau richtig — es sagt dem Screenreader, dass er es überspringen soll. Manche Prüfer zählen es als »fehlt«.
  • Absicht sieht aus wie Panne. Eine Seite auf noindex zu setzen ist eine Entscheidung. Ein Prüfer kann Entscheidung und Versehen nicht unterscheiden und meldet beides.
  • Hinweise werden mit Problemen verwechselt. 922 klingt nach 922 Baustellen. Tatsächlich sind Hinweise die Kategorie »ist uns aufgefallen« — die meisten sind folgenlos.

Wie man so eine Liste richtig abarbeitet

Die Reihenfolge ist entscheidend. Wer oben anfängt und der Reihe nach durchgeht, verbrennt den Tag.

  1. Nach Klassen sortieren, nicht nach Adressen68 Meldungen sind selten 68 Probleme. Meistens ist es ein Problem, das auf 68 Seiten steht — oder ein Fehlurteil, das auf 68 Seiten wiederholt wird. Erst die Klasse beurteilen, dann die Menge.
  2. Je Klasse drei Beispiele am Live-Quelltext prüfenNicht im Redaktionssystem, nicht in der Vorschau, sondern an der Adresse, die das Werkzeug genannt hat, mit einem Zufallsparameter dran, damit kein Zwischenspeicher antwortet. Halten die drei Beispiele nicht, fällt die ganze Klasse.
  3. Absicht von Panne trennenBei allem, was nach Konfiguration aussieht — noindex, nofollow, gesperrte Verzeichnisse — zuerst im eigenen Quellcode nachsehen, ob jemand das mit Begründung so eingerichtet hat. Bei uns stand die Begründung als Kommentar direkt über der Zeile.
  4. Erst dann reparieren, und danach noch einmal messenEine Reparatur, die niemand gegengemessen hat, ist eine Behauptung. Das gilt auch dann, wenn der Bau ohne Fehler durchläuft.

Wann ein Audit trotzdem richtig ist

Damit hier kein falscher Eindruck entsteht — es gibt drei gute Gründe dafür:

  • Nach einem Relaunch. Da entstehen echte Fehler in Serie, und ein Crawler findet sie schneller als jeder Mensch.
  • Bei großen Seiten. Ab ein paar tausend Adressen sieht man Muster ohne Werkzeug nicht mehr.
  • Als Ausgangsaufnahme. Ein Audit vom ersten Tag ist der Vergleichspunkt, an dem sich später ablesen lässt, ob sich etwas bewegt hat. Ohne ihn diskutiert man Gefühle.

Wann Sie sich die Gegenprüfung sparen können

  • Wenn das Werkzeug einen echten Fehler meldet, den Sie selbst im Quelltext sehen — dann prüfen Sie nicht nach, sondern reparieren.
  • Bei Meldungen zu Ladezeit und Core Web Vitals. Die schwanken zwischen zwei Messungen ohnehin um mehrere Punkte; eine einzelne Gegenmessung sagt dort weniger als die Zeitreihe.
  • Wenn Sie unter zwanzig Seiten haben. Dann ist die Liste kurz genug, um jede Meldung direkt zu prüfen, ohne den Umweg über Klassen.

Häufige Fragen

Welches Werkzeug war das?

Wir nennen es bewusst nicht. Das beschriebene Verhalten ist bei den gängigen Anbietern ähnlich — es liegt an der Bauart solcher Prüfer, nicht an einem bestimmten Hersteller. Ein Name würde den Eindruck erwecken, mit einem anderen Werkzeug wäre das Problem gelöst.

Heißt das, ich soll Audit-Berichte ignorieren?

Nein. Es heißt, dass ein Audit-Bericht eine Liste von Verdachtsmomenten ist und kein Mängelprotokoll. Behandeln Sie ihn wie eine Hypothesenliste: jede Klasse an drei Beispielen prüfen, dann entscheiden.

Wie lange dauert so eine Gegenprüfung?

Bei den sechs Klassen, die wir hier aufgeschlüsselt haben, etwa zwei Stunden — wenn man die betroffenen Adressen aus dem Werkzeug exportieren kann und den Quelltext automatisiert abruft. Von Hand deutlich länger — dann lohnt es sich, nur die Klassen mit den meisten Treffern zu prüfen.

Was war der eine echte Fehler?

Drei Leistungsseiten trugen in der deutschen und der englischen Fassung denselben Seitentitel, weil der Titel aus dem Produktnamen erzeugt wurde und der in beiden Sprachen gleich lautet. Behoben, indem beide Fassungen einen eigenen Titel bekommen haben.

Woran erkenne ich, ob eine Agentur weiß, was sie tut?

An drei Dingen, die sich nachprüfen lassen: Nennt sie ihre Nachweise mit öffentlicher Prüf-Adresse? Zeigt sie ein Ergebnis an einer echten Kundenseite mit Datum und Quelle? Und sagt sie Ihnen, was sie NICHT zusagen kann — etwa einen festen Platz bei Google? Wer auf alle drei Fragen eine belegte Antwort gibt, arbeitet nachvollziehbar.

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Andere Zahlen bei Ihnen?

Wenn Sie das an Ihrer eigenen Seite nachgemessen haben und zu einem anderen Ergebnis kommen, schreiben Sie uns. Wir korrigieren Beiträge, wenn jemand eine Messung vorlegt, die unsere widerlegt — und schreiben dazu, was sich geändert hat.

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