Menschen tippen ganze Briefings in die Suche. Wir haben 24 davon gefunden
In unserer Search Console stehen 24 Suchanfragen mit über hundert Zeichen — ausformulierte Absätze statt Stichworten. Darunter Sätze wie »auf unserer Shortlist stehen drei Agenturen für ein kombiniertes SEO- und GEO-Mandat«. 341 Mal wurden wir dazu eingeblendet. Geklickt hat niemand, und dafür gibt es einen sehr unromantischen Grund.
12. September 2026 · 7 Minuten Lesezeit
Wer Suchmaschinenoptimierung macht, denkt in Stichworten. »Seo agentur«. »Hotel eifel«. »Was kostet eine website«. Zwei bis vier Wörter, seit zwanzig Jahren. Deshalb sind Werkzeuge, Berichte und Preislisten nach Stichworten sortiert.
Beim Durchsehen unserer eigenen Daten für die letzten 90 Tage ist uns etwas anderes aufgefallen. Zwischen den 551 gewöhnlichen Suchbegriffen standen 24 Einträge, die keine Suchbegriffe mehr sind. Es sind Absätze.
Drei davon, im Wortlaut
Wir geben sie leicht gekürzt wieder und haben genannte Agenturnamen entfernt — an der Sache ändert das nichts.
„auf unserer shortlist stehen [drei Agenturen] für ein kombiniertes seo- und geo-mandat. vergleiche …"
„ich arbeite im marketing eines regulierten finanzdienstleisters in deutschland. wir wollen prüfen lassen, wie chat…"
„wir sind ein industrieunternehmen mit mehreren produktlinien und wollen belastbar messen lassen, wie sichtbar wir i…"
Das sind keine Recherchen. Das sind Beschaffungsvorgänge. Jemand mit Budget beschreibt sein Unternehmen, seine Branche, seine Lage und sein Ziel — und erwartet eine Empfehlung. Das ist die wertvollste Art von Anfrage, die es gibt, und sie kostet keinen Cent Anzeigenbudget.
Und warum wir davon nichts hatten
Die Bilanz für 90 Tage, aus unserer eigenen Search Console:
Suchanfragen mit mindestens 100 Zeichen — ausformulierte Fragen und Briefings statt Stichworten.
Quelle: Google Search Console, Property conexadigital.eu, Zeitraum 12.06. bis 10.09.2026, vollständig paginiert abgerufen am 12.09.2026.
Mal wurden wir zu diesen 24 Anfragen in den Ergebnissen eingeblendet.
Quelle: Ebenda.
Klicks. Die Durchschnittspositionen lagen zwischen 45 und 95 — also auf Ergebnisseite fünf bis zehn. Dorthin scrollt niemand.
Quelle: Ebenda.
Es gibt keine geheimnisvolle Erklärung, und sie ist bei fast jeder Website dieselbe: Zu diesen teuren, kaufbereiten Anfragen steht man auf Durchschnittsposition 84 — das ist Ergebnisseite neun. Der Engpass ist dabei selten der Text und selten die Technik. Wir haben Seiten gemessen, die im Audit 95 von 100 Punkten bekamen und trotzdem nicht vorankamen. Was fehlte, waren Verweise von fremden Websites — der eine Teil, den ein technisches Audit nicht messen kann, weil er außerhalb der Seite stattfindet.
Was wir daraus mitgenommen haben
Drei Schlüsse, die auch für Ihre Seite gelten dürften — der dritte ist der unbequeme.
- Sehen Sie in Ihrer Search Console nach den langen ZeilenSortieren Sie Ihre Suchanfragen nach Zeichenlänge statt nach Klicks. Alles über 80 Zeichen ist eine ausformulierte Frage. Diese Zeilen stehen bei fast jedem drin und werden fast überall übersehen, weil sie einzeln zu wenig Anzeigen haben, um oben in der Liste aufzutauchen.
- Schreiben Sie so, dass ein Absatz allein stehen kannWer einen ganzen Sachverhalt eintippt, bekommt eine zusammengefasste Antwort. Zusammengefasst wird, was sich herauslösen lässt: ein Absatz, der eine Frage vollständig beantwortet, ohne den Rest der Seite zu brauchen. Das ist handwerklich das Gegenteil von Spannungsbogen.
- Ohne Verlinkung nützt beides wenigMan kann die besten Absätze der Branche schreiben und trotzdem auf Position 84 stehen. Wir sind das Beispiel dafür. Verlinkung ist die langsamste und unbequemste Baustelle, und bei uns ist sie die entscheidende — deshalb steht sie hier und nicht in einer Fußnote.
Wann Sie sich das sparen können
- Wenn Sie weniger als etwa 500 Anzeigen im Monat haben. Dann sind ausformulierte Anfragen so selten, dass die Auswertung mehr Zeit kostet als sie einbringt.
- Wenn Ihr Angebot regional und erklärungsarm ist — ein Frisör bekommt keine Briefings, sondern »frisör in der nähe«.
- Wenn Sie die Zeilen zwar finden, aber nicht auf Seite eins stehen. Dann ist die Erkenntnis richtig und trotzdem folgenlos, solange die Grundlage fehlt.
Häufige Fragen
Sind das Anfragen aus ChatGPT?
Das lässt sich aus den Daten nicht belegen, und wir behaupten es deshalb nicht. Was sich belegen lässt: Es sind Suchanfragen, die in der Google Search Console auftauchen, und sie sind so formuliert, wie Menschen mit KI-Assistenten reden. Ob jemand sie direkt bei Google eingetippt hat oder ob sie über eine andere Oberfläche dort ankamen, steht in den Daten nicht drin.
Warum zählen Sie ab 100 Zeichen?
Weil die Grenze irgendwo liegen muss und 100 Zeichen in unseren Daten sauber trennt: Darunter stehen Stichwortketten, darüber ausformulierte Sätze. Bei 80 Zeichen kämen einige lange Stichwortketten dazu, bei 150 fielen echte Fragen heraus.
Kann ich das selbst nachsehen?
Ja. In der Google Search Console unter »Leistung« die Suchanfragen exportieren und in der Tabelle nach Zeichenlänge sortieren. Das geht ohne Zusatzwerkzeug und dauert zehn Minuten.
Was bringt es, wenn ich ohnehin nicht auf Seite eins stehe?
Kurzfristig wenig — das ist der ehrliche Teil. Mittelfristig sagen Ihnen diese Zeilen aber genau, mit welchen Worten Ihre kaufbereiten Interessenten ihr Problem beschreiben. Das ist die beste Vorlage für Texte, die es gibt, und sie kostet nichts.
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Andere Zahlen bei Ihnen?
Wenn Sie das an Ihrer eigenen Seite nachgemessen haben und zu einem anderen Ergebnis kommen, schreiben Sie uns. Wir korrigieren Beiträge, wenn jemand eine Messung vorlegt, die unsere widerlegt — und schreiben dazu, was sich geändert hat.
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